Samstag, 18. Februar 2012

Minimalismus


Seit einiger Zeit beschäftigt mich etwas, das sich „Minimalismus“ nennt. Wie die meistens Trends kommt auch dieser aus den USA. Trend hin oder her – irgendwie ist was Wahres dran. Einer der Hauptschlagwörter dieses Lebensstils ist „decluttering“, was man mit „Entrümpelung“ übersetzen kann. Nicht ohne Grund entstand dieser Lebenswandel in den USA, wo das „immer größer und immer mehr“ des „american way of life“ schließlich zur Immobilienkrise von 2008 und in weiterer Folge zu einer weltweiten Wirtschaftskrise führte. Manche erkannten die Zeichen der Zeit und die Folge war „downsizing“. Aber nicht nur weil hier aus einer Not eine Tugend gemacht wurde. Zwar rutschten viele Amerikaner in die Armut, der Großteil kann sich aber nach wie vor ein Leben im Überfluss leisten. Ein Umdenken fand und findet statt: Less is more! Bruttoinlandsglück statt ständig steigendes Bruttoinlandsprodukt. Eine ständig wachsende Weltwirtschaft wird über kurz oder lang diesen Planeten zugrunde richten. Es wird Zeit und es ist wichtig zu erkennen, dass wir – jeder Einzelne – schon genug haben, dass wir nicht mehr mehr brauchen und wir guten Gewissens zufrieden sein können mit dem, was wir haben.

Es ist schon bemerkenswert, wie schnell sich Dinge anhäufen, die man eigentlich gar nicht braucht und die man dann aber wieder so schwer los wird. Man geht in eines der großen Einkaufhäuser, vielleicht sogar – und das ist besonders gefährlich – in eines dieser Geschäfte, wo sinnloses Nippeszeug verkauft wird, greift zu, bezahlt schnell, bar oder mit Bankomatkarte, und stellt dieses erworbene Ding dann in irgendeine Ecke, wo es dann langsam verstaubt. Das zuvor so „notwendig“ gebrauchte Ding hat sich als nutzlos herausgestellt. Der Kauf selbst hat vielleicht nur einige Minuten gedauert. Man hat es mühsam in die Wohnung geschleppt. Wenn man dann einsieht, dass man es nicht braucht stellt sich natürlich die Frage: Wohin damit? Und da fängt das Problem an. Etwas loszuwerden dauert wesentlich länger, als es zu kaufen. Und so „müllen“ wir unsere Wohnungen immer mehr zu und die Last von all dem Zeug hindert uns am freien Durchatmen.

Die Überzeugung eines Lebens im Minimalismus ist, dass man durch eine Lebensentrümpelung frei wird für die Dinge, die wirklich wichtig sind. Wir sind nicht das, was wir haben, sondern das, was wir tun. Das sammeln und horten von Dingen ist oftmals auch der Ausdruck von Angst, nicht loslassen zu können. Auch ich bin ein Sammler. Ich sammle Bücher. Ich glaube, dieses oder jenes Buch muss ich unbedingt haben. Aber ist dem wirklich so? Die Frage, die man sich bei jedem Kauf stellen soll: Brauche ich das wirklich? Wirklich wirklich? Wie schnell stellt sich heraus, dass dem nicht so ist oder dass man bereits etwas hat, dass als Alternative ebenso gute Dienste tut.

Minimalismus ist ein Prozess, der Jahre dauert. Ich glaube er lohnt sich.

Ab nun folgende Regel: Konsequent und regelmäßig ein Gegenstand weniger. Egal wie klein er ist. Das Ding wird fotografiert und hier gepostet. (Gerade jetzt stelle ich mir natürlich die bange Frage: Wohin damit? Aber es wird sich ein Weg weisen.)

Einige nützliche links bezüglich Minimalismus: